VOLONTÄR 2011 - 2

… kleine Einblicke in meine Zeit bei Project WHY
Nach vier Wochen Trekking und Natur-pur in Nepal erreichte ich Delhi … Da ich von vielen schon vorgewarnt wurde, wie laut und voll und gewöhnungsbedürftig die Hauptstadt sei, war ich eigentlich auf das Schlimmste gefasst. Bunt, laut, voll ist sie tatsächlich, aber genauso faszinierend und beeindruckend.
Gleich nach meiner Ankunft verbrachte ich den Tag über in der Schule. Da ich anfangs noch keine Vorstellung hatte, mit welcher Altersgruppe ich gerne arbeiten würde, durfte ich zunächst in den einzelnen Klassen schnuppern. Für mich war es von Anfang an sehr beeindruckend, wie herzlich, offen und interessiert ich aufgenommen wurde. Durch den Kontakt mit den Menschen, wird einem teilweise auch erst bewusst, wie distanziert man in Deutschland lebt.
Die Vormittage verbrachte ich mit den „Kleinen“ (4-5 Jährigen) … neben spielen, tanzen und singen, versuchte ich mit ihnen gemeinsam das Hindi-Alphabet zu lernen …Trotz enormen Einsatz der unbeschreiblich netten Lehrerinnen Seema und Seeta, blieb es bei mir jedoch bei einem jämmerlichen Versuch. Nachmittags unterrichtete ich eine Gruppe von Grundschülerinnen. Obwohl ich auch in Deutschland mit Kindern arbeite, habe ich nur selten so motivierte, interessierte und lernwillige Kinder erlebt. Anfangs dachte ich immer, sie machen einen Witz, wenn sie mich nach Hausaufgaben fragten und wann wir den nächsten Test schreiben würden. Durch ihre fröhliche Art, ihr Lachen und ihre Herzlichkeit, konnte ich oft die verheerenden äußeren Umstände vergessen, in denen die Kinder aufwachsen und mit welchem Elend sie täglich zu kämpfen haben. Auch der Umgang der Kinder untereinander hat mich sehr beeindruckt … das äußere Erscheinungsbild, Klamotten etc. spielen keine Rolle, da keiner viel besitzt. Obwohl das Leben dort ganz anders ist, Religion und Tradition noch eine ganz andere Rolle im Alltag spielen, fühlte ich mich sehr schnell richtig wohl in der Schule. Auch wenn ich mich teilweise mit Händen und Füßen mit manchen Lehrerinnen verständigen musste, da sie nicht so gut Englisch sprechen und verstehen konnten, sind wir doch erstaunlich vertraut geworden. Umso schlimmer war es, als nach Weihnachten einige Spendengelder ausblieben und meine Klasse von heute auf morgen geschlossen werden musste. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sich das anfühlt, wenn man dabei ist, wenn den Kindern gesagt werden muss, dass sie ab morgen nicht mehr in die Schule gehen können. Ich kann mich noch gut an die enttäuschten Gesichter und traurigen Augen der Kinder erinnern.
Sowohl Weihnachten als auch meinen Geburtstag durfte ich in dem Projekt feiern. Beides war sehr schön, beeindruckend und anders … Ich würde sagen „same same but different…“.
Am Ende meines Aufenthalts fiel es mir sehr schwer, von Anou, Shamika, Rhani, den Lehrerinnen und den Kindern Abschied zu nehmen. Wir konnten viel miteinander lachen, und für mich war es äußerst spannend, viel über ihr Leben und die Kultur zu erfahren. Da ich teilweise der einzige Volunteer war, wurde auch der Kontakt zu den Lehrerinnen enger.
Gegen Ende meines Aufenthalts war dann die WG wieder voll, was natürlich auch vieles er leichterte, v.a. wenn man so nette Mitbewohner wie ich zu der Zeit kennen lernen durfte.
Ich durfte sehr viel in dem Projekt lernen, und teilweise bekommt man auch einen anderen Blick auf sein eigenes Leben und die Dinge, mit denen man sich hier beschäftigt. Ich hoffe und denke, dass es nicht mein letzter Aufenthalt in Delhi war.

Es ist gar nicht so einfach, die Erfahrungen in dem Projekt in Worte zu fassen, da es so viele „Kleinigkeiten“ sind, die den Aufenthalt dort so besonders machen. Ich kann nur sagen, dass man es am besten einfach selbst erleben muss.