VOLONTÄR 2011 - 3

Volontär in Indien
Im Februar 2012 hatte ich im Rahmen meines Bachelor-Studiums der Heilpädagogik an der Hochschule Zittau-Görlitz die Gelegenheit, für vier Wochen als Volontär in einer Schule in Govindpuri am Rande Neu Delhis zu arbeiten. Diese Schule ist Teil einer von Frau Anourdha Bakshi gegründeten nichtstaatlichen Organisation zur Betreuung und Bildung hilfsbedürftiger junger Menschen. Das Projekt wird durch die Familie Bakshi sowie Spendengeldern z. B. durch die Töchtervereine Project WHY Frankreich und Deutschland finanziert. Der Name ist dabei Programm, denn WHY steht für WE HELP YOU. Schließlich wird die Organisation auch durch das soziale Engagement vieler Freiwilliger unterstützt. Während meines Aufenthaltes in Neu Delhi habe ich mit Kindern und Jugendlichen einer Gruppe, bestehend aus 11 Jungen und 12 Mädchen, gearbeitet. Täglich von 8 bis 16 Uhr wird die Gruppe von den Lehrerinnen Shamika und Kalpana sowie von den beiden Lehrern Kamal und Surya betreut. Besonders durch die Zusammenarbeit und die daraus entwickelte Freundschaft zu Kamal, Surya und ihren Freunden konnte ich sehr viel über die indische Kultur und das Leben in Delhi lernen sowie auch selber erfahren. Dafür danke ich den beiden ganz besonders! Meine anfänglichen Bedenken und Unsicherheiten z. B. bezüglich möglicher Verständigungsschwierigkeiten erwiesen sich bereits am ersten Tag als vollkommen unbegründet. Die Kinder und auch die Betreuer waren ausgesprochen aufgeschlossen und freundlich, so dass ich schnell den Eindruck bekam, dazu zu gehören. Wir waren wohl gegenseitig neugierig aufeinander, und ich konnte sicherlich Interessantes vermitteln, habe aber auch selbst viel dabei gelernt. Die Kinder wurden sehr individuell betreut; alle wurden ihren Fähigkeiten und Interessen entsprechend gefördert und gefordert. So wurden grundlegende Kenntnisse im Lesen, Schreiben, Rechnen sowie beim Umgang mit dem Computer gelehrt. Das Lehrangebot beinhaltete aber auch praktische Fähigkeiten wie Kochen und Weben oder die Fertigung von Taschen und Kleidungsstücken. Ein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts richtet sich auch auf die Ausbildung und Förderung sozialer Kompetenzen der Kinder. Generell sind die Lehrinhalte auf die Hilfe zur Selbsthilfe gerichtet. Die erworbenen Fähigkeiten sollen die Kinder und Jugendlichen später in die Lage versetzen, sich selbständig zu versorgen. Große Freude bereiteten den Kindern die Beschäftigung mit Musik und Tanz. Da waren sie ganz besonders bei der Sache. Gerne erinnere ich mich an ein gemeinsames Picknick und den Besuch eines Jahrmarktes und einer Messe. Gemeinsam mit Surya, einem der Lehrer, habe ich die Wohnbedingungen mancher Familien kennen gelernt. Das karge Leben auf engstem Raum hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. In langen Gesprächen mit den Lehrern habe ich viel über die indische Gesellschaft und Kultur sowie über die religiösen Vorstellungen des Hinduismus gelernt. Am Ende meines Aufenthaltes habe ich viele neue Freunde dort zurück gelassen. Wieder zu Hause in Deutschland hatte ich das befriedigende Gefühl, einen winzigen Betrag zur Verbesserung der Situation dieser Kinder beigetragen zu haben. Die Erinnerung an meine Zeit in Indien und die dort gemachten wertvollen Erfahrungen haben auch so manches, eigene Probleme zu Hause stark relativiert. Vielen Dank dafür!